An einem Donnerstagmorgen starteten wir früh im kroatischen Grenzgebiet zu Montenegro. Vorbei an der Bucht von Kotor ging es in wenigen Stunden zügig Richtung Albanien. Die Grenzübergänge konnten wir glücklicherweise alle innerhalb weniger Minuten passieren. Pünktlich zur Mittagszeit erreichten wir unseren ersten albanischen Zwischenstopp: das Dragon Castle. Hier schwelgten wir in landestypischen und italienischen Köstlichkeiten wie frisch gebratenem Gemüse, gebackenem Schafskäse und deftiger Lasagne.



Die erste Nacht verbrachten wir schließlich auf einem recht neuen Campingplatz bei einem herzlichen, älteren Herrn. Nachts hörten wir Schakale.
Am Folgetag machten wir uns auf nach Shkodra. In der nächsten großen Stadt stand erst einmal ein Großeinkauf an, denn für den Grenzübertritt hatten wir brav all unser Obst und Gemüse aufgebraucht – im Kühlschrank herrschte also gähnende Leere. Nach einem gemütlichen Bummel durch die historische Altstadt und einem leckeren Mittagessen in der Fußgängerzone zog es uns weiter ans Meer. Die Strandbar Ledh liegt unmittelbar an der Brandung und bot uns neben einem täglichen Angebot an frisch gegrilltem Fisch sogar kostenfreies Camping. Eigentlich treibt es uns ja immer ziemlich schnell weiter und wir stehen selten mehrere Tage an einem Fleck. Für diesen besonderen Ort machten wir jedoch nur zu gerne eine Ausnahme: Die chillige Atmosphäre und ein Stellplatz in der allerersten Reihe ließen uns ganze fünf Tage an diesem Ort stranden.





Nachdem wir uns endlich aufraffen konnten weiterzufahren, führte uns die Route nach Kruja. Als einstige historische Hauptstadt des Landes ist Kruja heute vor allem ein lebendiger Touristenmagnet. Ein zugegeben recht touristischer Basar mit allerlei bunten Souvenirläden säumt hier den steilen Weg hinauf zur Burg.




Am nächsten Morgen starteten wir früh zum nächsten kulturellen Highlight: Berat. Etwas außerhalb der Stadt fanden wir einen wunderschönen Campingplatz im Olivenhain und genossen zwei Tage lang die faszinierende „Stadt der tausend Fenster“. Vom historischen Burgviertel hoch über den Dächern bis hin zum belebten Palmen-Boulevard und der hübschen Altstadt hat uns Berat schnell verzaubert.



Im Stadtpark trafen wir zufällig eine andere Camper-Familie. Bei einem netten Plausch erzählten sie uns begeistert von den Thermalquellen in Përmet. Da sich für die nächsten Tage ohnehin ein Wetterumschwung abzeichnete und es von Berat aus eine brandneu asphaltierte Bergstraße dorthin gab, stand unser nächstes Ziel fest.
Am Tag unserer Ankunft in der Stadt der Thermalquellen regnete es unaufhörlich durch. Wir machten das Beste daraus und verbrachten den Tag gemütlich im Camper – versüßt durch eine goldige Leihgabe des älteren Ehepaars, dem der Campingplatz gehörte: zwei winzige, schnurrende Kätzchen. So kuschelig es im Liner war, so ungemütlich und matschig präsentierte sich leider der Garten von Oma und Opa vor unserer Tür. Nach einer erholsamen Nacht und einem kurzen Besuch der warmen Thermalbecken bei herrlicher Morgensonne beschlossen wir daher, direkt weiterzuziehen.








Unser Weg führte uns nach Gjirokastër, um dort die nächste herannahende Regenfront auf dem Schotterparkplatz auszusitzen. Die historische Steinstadt war schließlich recht schnell erkundet: Bei einem kurzen Bummel über den Basar schlenderten wir entlang der jahrhundertealten, nassen Kopfsteinpflaster-Gassen. In einem kleinen Obst- und Gemüseladen sowie in der lokalen Bäckerei deckten wir uns rechtzeitig mit reichlich Leckereien für den anstehenden Regensonntag ein.


Der Sonntag war dann doch weniger verregnet als erwartet, und so machten wir uns voller Tatendrang auf an die Küste. Von einem Ehepaar, welches ebenfalls auf dem Parkplatz in Gjirokastër verweilte, bekamen wir den Tipp, doch noch Zvërnec zu besuchen. Dort gäbe es eine Strandbar, an der man kostenlos stehen könne und die fangfrischen Fisch serviere.
Nach einem kurzen Abstecher zum Kloster von Zvërnec und einer etwas abenteuerlich anmutenden Anfahrt zur Bar – es hatte auch hier ordentlich geregnet und die Zufahrt durch den Pinienwald war entsprechend matschig und nass – fanden wir uns wenig später an einem wunderschönen Sandstrand wieder. Es versammelten sich hier schon einige Camper, und manch einer blockierte auch mehr Fläche, als eigentlich nötig gewesen wäre. Nach kurzer Rücksprache mit Chef Luca persönlich durften wir sozusagen direkt in der ersten Reihe neben dem Restaurant einparken.


Nach drei Tagen und einigen leckeren Pizzen (Luca ist gebürtiger Italiener!) ging es für uns weiter die Küste hinunter. Unser Ziel war es, einfach mal ein paar Tage in aller Ruhe frei am Strand zu stehen. Ohne Bar, ohne Gebühr. Eben genau so, wie wir uns das in Albanien vorgestellt hatten: autark und frei. Nach etwas Suchen wurden wir auch tatsächlich fündig und verbrachten geschlagene fünf Nächte am Kieselstrand in Borsh. Wo im Sommer eine Strandbar nach der anderen lockt, herrscht in der Nebensaison tote Hose. Wir hatten das große Glück, dass sich fußläufig ein kleiner Laden befand, in dem wir frisches Obst und Gemüse kaufen konnten. Die fünf Tage, die wir hier teils auf dem Wasser, teils chillig im Campingstuhl verbrachten, haben wir so richtig genossen. Neben echten Palmen hatten wir einen wunderbaren Blick auf die griechische Insel Korfu und die vorgelagerten Diapontischen Inseln. Wir packten endlich mal den Grill aus, paddelten gemütlich mit dem SUP auf dem Wasser und hatten jede Menge Zeit für Spielen, Lernen und Faulenzen. Da konnte auch das in den letzten Tagen teils streikende Hubbett (Elektrik 😬) nichts dran ändern.




Am Sonntag hieß es dann schließlich Abschied nehmen und auf nach Griechenland. Ksamil, das absolute Karibik-Aushängeschild der albanischen Riviera mit seinem legendären, türkisblauen Wasser, haben wir dabei mutig links liegen gelassen. Leicht fiel uns das zwar nicht, aber wir hatten partout keine Lust auf die lästige Parkplatzsuche am „Ballermann Albaniens“, und ein Übernachtungsstopp kam aufgrund der – für albanische Verhältnisse – unverschämt hohen Preise ohnehin nicht in Frage.
Also ging es für uns stattdessen an die Tankstelle zum Gas-Auffüllen, danach zum Car Wash, um unser fahrendes Zuhause mal wieder richtig sauber machen zu lassen, und ein allerletztes Mal zum albanischen Mittagessen. Kurz nach dem Waschen machte sich dann allerdings der Kühlschrank bemerkbar: Er piepte alle paar Minuten warnend – genau so, wie er es auch dann tut, wenn die Tür nicht ordentlich geschlossen ist. Von außen durch die Lüftungsgitter gedrungene Feuchtigkeit lautet hier die wahrscheinlichste Ursache. Wir hoffen jetzt einfach mal, dass sich das Problem bis morgen im griechischen Sonnenschein von selbst gelöst hat. Und als wäre das nicht genug: Auch das Hubbett bettelt bereits wieder um Aufmerksamkeit… Griechenland, wir kommen – mit vollen Gastanks, glänzendem Lack und der gewohnten Portion Camper-Improvisation im Gepäck!



